Interview (06/09)
Ich dränge mich nirgendwohin
Jeder von uns war bereits einmal in der Situation: Ein gutes Geschäft gelingt und Sie möchten sich und Ihrem Partner eine Freude machen, Sie gewinnen einen Gerichtsstreit und wollen Ihrem Juristen danken oder Sie wollen einfach jemandem aus Ihrer anspruchsvollen Golffamilie zu einem runden Jubiläum eine Freude machen. Wer sich im tschechischen Golf auskennt, weiß, dass er Petr Jandl, den Hersteller der exklusiven tschechischen Putter jag´ kontaktieren kann, und dieser fertigt für ihn ein maßgeschneidertes Kleinod in den Bag, von dem die Rede sein wird.
GP: Von Ihnen ist bekannt, dass bei der Marke jag´ die Qualität an erster Stelle steht. In einer Situation, in der Sie dem Kunden nicht den besten Putter geben können, raten Sie dem Kunden angeblich auch ab. Ist es wahr, dass Sie im Frühjahr sogar das Angebot abgelehnt haben, den Leuten aus dem Team des Präsidenten Barack Obama bei seinem unlängsten Besuch in Prag die Putter vorzuführen?
PJ: Die Leute aus der amerikanischen Botschaft haben mich nur ein paar Tage vor dem Aprilbesuch des amerikanischen Präsidenten angerufen, ob ich meine typisch tschechischen Putter nicht im besten Prager Hotel verkaufen würde, wo für eine Nacht Barack Obama und seine Ehefrau Michelle untergebracht sind. Das klang außerordentlich interessant. Ich weiß, dass der neue amerikanische Präsident Golf spielt und dass es unter den mehreren Hundert Leuten seiner Begleitung und unter den Leuten aus dem Weißen Haus auch eine Reihe hervorragender Golfer gibt, dennoch habe ich nein gesagt. Der Hauptgrund war, dass ich nicht gern übereilt Putter an Leute verkaufe, die ich nicht besser kennen lernen kann. Ich will, dass sie vorbehaltlos zufrieden sind und nicht, dass sie auf die Schnelle ein sehr teures Geschenk aus Prag mit nach Hause nehmen, dass ihnen bei näherer Tuchfühlung nicht sitzen wird. Darüber hinaus war auch keine Zeit, die Putter mit Dekoration anlässlich der ersten Europareise von Barack Obama und seiner Ansprache auf dem Hradschinplatz vorzubereiten. Dass ich meine Schläger im meistbewachten Hotel der Welt zur gleichen Zeit hätte anbieten können, als dort die einflussreichste Persönlichkeit der Weltpolitik war, hat mir ein bisschen den Kopf verdreht.
GP: Es gibt nicht viele von denen, die es fertig gebracht hätten, dies abzulehnen, ihre Produkte in das Weiße Haus zu bekommen. Wie sehen also Ihre Kunden aus?
PJ: Ich kenne alle Klienten persönlich, praktisch kein Stück verlässt meine Werkstatt ohne Individualisierung. Wie es in Übersee heißt: ,,just the way you like it“. Mit jedem Element spiele ich bei weitem mehr, damit der Unterschied gegenüber denen, die bei der Massenproduktion von Puttern aus den Produktionsstraßen fallen, markant ist. Ich wähle die besten Materialien aus, ich muss die ausgezeichnete Verarbeitung garantieren. Jeder Putter ist ein Original: die Prägung der Initialen, die spezielle Gravierung, die Verzierung mit Edelsteinen oder zum Beispiel ein Griff aus Rochen. Am liebsten mache ich Putter direkt für den Käufer, aber unsere Produkte als exklusives Geschenk oder als Preis im Golfturnier werden immer populärer.
GP: Wie gelang es Ihnen kurz nach der Einführung auf den Markt auf die – für viele Hersteller erträumte – PGA Tour in die USA zu gelangen?
PJ: Ja, mir gelang im Jahr 2007 das scheinbar Unmögliche, als ich mit meinen Produkten in die Vereinigten Staaten in Kooperation mit dem Hersteller der Ledergriffe, der seine Produkte an meinen Puttern präsentierte, auf die Tour gelangte. Die Reaktionen der Spieler und Trainer auf die Tour war sehr positiv. In so hoher Konkurrenz auszuharren, ist aber natürlich eine Frage der Finanzen. Die Heimat der Putter jag´ ist Europa und die Tschechische Republik, wo ich in der Lage bin, Dienstleistungen zu gewähren, die meinen eigenen Ansprüchen genügen. Ich habe weitaus mehr Freude daran, wenn ich höre, dass sich Freunde direkt auf dem Green von meinen Puttern erzählen, oder wenn ich von meinen Klienten eine Empfehlung für weitere Kunden bekomme. Diese Art des Geschäfts zwingt mich, mich maximal auf jedes einzelne Stück, auf die Ausführung jeder einzelnen Dienstleistung zu konzentrieren.
GP: Wie kamen Sie eigentlich darauf, Putter herzustellen? Und wie ist der Rückfluss der aufgewandten Investitionen, der Zeit und Energie?
PJ: Am Anfang stand sicher meine persönliche Sehnsucht nach einem äußerst individuellen Produkt, das sich von dem üblich auf dem Mark verfügbaren unterscheidet. Diese durchzieht, denke ich, mein ganzes Leben, ich schwimme wirklich sehr ungern mit dem Strom. Die Höhe der Investitionen erreicht heute mehrere Millionen Kronen, und mein persönlicher Arbeitseinsatz von ca. 5000 Arbeitsstunden ist selbstverständlich nicht mit eingerechnet. Dennoch würde ich mich sicher erneut darauf einlassen, auch wenn ich verständlicherweise eine Menge Sachen anders machen würde. Der Gedanke ist nicht vereinzelt, besonders in den USA funktionieren bei weitem mehr oder weniger erfolgreiche Putterproduzenten. Die ganze Problematik beginnt erst nach dem Umsetzen in Europa interessant zu sein, wo wir einerseits durch strenge ökologische Vorschriften – einige Oberflächenbehandlungen bleiben für uns für immer unzugänglich – andererseits durch den relativ höheren Preis sowohl der Grundmaterialien als auch der Technologien und der Arbeit allgemein gebunden sind. Dazu ist der europäische Markt im Vergleich zu den USA noch wesentlich kleiner. Ein großes Problem ist für mich auch z.B. die Besorgung von Material mit ausreichend konstanter Dichte und Gewicht. Um es zusammenzufassen – die Rückflussdauer ist langfristig.
GP: Schauen wir jetzt ein bisschen in Ihre schöpferische Küche, wie werden die einzigartigen tschechischen Putter jag´ geboren?
PJ: Es gab eine Zeit, da bin ich jeden Morgen aufgestanden und habe ein weiteres, neues Puttermodell gezeichnet. Die Gedanken wurden schneller geboren, als ihre Entwicklung umgesetzt werden und die Modelle in die Serienproduktion zu überführen. Nach einer bestimmten Zeit hatte ich die Wahl, entweder nicht aufzustehen und neue Modelle zu zeichnen oder zwar aufzustehen, aber keine weiteren Stücke zu zeichnen. Jetzt kommt die Zeit, in der ich einige Einfälle zu Ende bringen kann, die in der Schublade endeten. Paradoxerweise hat es mich gefreut, dass eine der größten Firmen auf der Welt in diesem Jahr im Januar eine technische Lösung patentieren ließ, die ich bereits vor zwei Jahren gezeichnet habe. Am Anfang steht immer die manuelle Zeichnung, der Gedanke. Um den Entwurf des Prototyps umzusetzen, verwenden wir heute 3D Software, anschließend muss man bereits die konkreten Stücke testen, weil man leider nicht alles nur am Tisch ausdenken kann, insbesondere wenn man eine progressive, unerprobte Technologie verwenden will. Ich musste so zum Beispiel jetzt nach drei Monaten des Prüfens die Technologie des Schweißens der Hälse mit Laser neu bewerten und die gesamte Konstruktion modifizieren. Auch die eigenen Qualitätsansprüche steigen ständig, und was ich vor zwei Jahren produziert habe, würde ich heute am liebsten vollständig umändern. Aber das ist die Entwicklung.
GP: Noch im vorigen Jahr sprach man auf dem tschechischen Puttermarkt von Ihnen als von der Entdeckung des Jahres. Nun wird Sie keiner mehr schonen, wie wirkt das auf Sie?
PJ: Ja, mein bescheidenes Wirken auf dem Markt ist noch immer für die Mehrheit der Golfer ein bisschen exotisch, das Echo auf die Putter und die Gesamtdienstleistungen ist aber sehr gut, und bislang sehe ich keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Das letzte Jahr war im Hinblick auf die Anzahl der verkauften Stück wirklich außerordentlich erfolgreich. In diesem Jahr setze ich voraus, dass ich dank dem allmählicheren Anlauf der Saison Zeit haben werde, neue Technologien und Gedanken zur Produktion vorzubereiten.
GP: Kooperieren Sie mit tschechischen Profis?
PJ: Hier habe ich eine etwas andere Strategie gewählt, als man vielleicht erwarten könnte. Die tschechische PRO halte ich nicht für ein Schaufenster, sondern eher für Partner, die in der Lage sind, mich dank persönlichen Erfahrungen technisch immer um einen Schritt weiter zu bringen. Mit meinen Puttern spielt eine Reihe ausgezeichneter Putterspieler. Häufig erinnere ich mich an die Players Championship im vorigen Jahr, wo Charley Hoffman seinen Putter am 13. Loch in den See warf. Wenn das ein Putter jag´ gewesen wäre, wäre ich heute ein toter Mann.
GP: Werfen wir abschließend einen Blick in die nähere Zukunft, was erwartet Sie?
PJ: Die Putter jag´ werden auch weiterhin ganz in Tschechien produziert, das Grundmaterial, das ich verwende, stammt überwiegend aus Italien, die Schäfte blieben selbstverständlich aus Amerika und dann die verschiedensten Griffe, einschließlich exklusiver Ledergriffe aus Australien. Dass wir den Leuten von Barack Obama nicht entgegenkommen konnten, hatte seinen Grund auch darin, weil wir außer Demo-Puttern an fertigen Stücken praktisch nichts auf Lager haben, alles wird für konkrete Kunden hergestellt. Das sollte sich in kurzer Zeit dadurch ändern, dass wir immer leicht angepasste, bereits fertige Stücke anbieten werden. Zu unseren neuen Besonderheiten gehören die Individualisierung der Headcover und weitere Produkte, wie zum Beispiel exklusive Gürtelschnalle mit der Möglichkeit persönlicher Anpassungen. Ich freue mich auf Čeladná, und ich freue mich sehr, dass ich dieses Jahr endlich zum Golfen komme.




